Juli 2023. Grindelwald. 258 Kilometer, 15.000 Höhenmeter, 72 Stunden ohne nennenswerten Schlaf. Der Eiger Ultra Trail 250k war für uns nicht einfach „das nächste Rennen". Es war eine Reise an die Grenze dessen, was körperlich und mental möglich ist. Diese Geschichte handelt davon, wie man dort hinkommt – und warum es sich gelohnt hat.
Wie alles begann
Im Januar 2023 stand die Anmeldung. Mein Laufpartner Torsten Reichelt und ich hatten uns für den 250-Kilometer-Ultra am Eiger eingeschrieben. 18.000 Höhenmeter im Aufstieg waren ausgeschrieben – also deutlich mehr als jedes Rennen, das wir bis dahin gelaufen waren.
Das Training lief zäh an. Grippewellen, Verletzungen, eine Zehen-OP nach einem Hallux rigidus. Wir mussten bei der Trainingsgestaltung kreativ werden – höhere Frequenz bei geringerem Zeitaufwand pro Einheit. Jede freie Minute zählte, neben eigenem Geschäft und Familie.
Die Vorbereitung – mehr als Kilometer sammeln
Für einen Lauf dieser Größenordnung reicht kein normaler Trainingsplan. Wir haben uns auf vier Säulen konzentriert:
- Downhill-Training: Am Fellhorn – 850 Höhenmeter Abstieg auf 5 Kilometern, im 15-Minuten-Rhythmus mit der Bahn wieder nach oben
- Nachttraining: Die Augen und der Kopf müssen lernen, bei Stirnlampenlicht zu navigieren
- Ernährungsstrategie: Was essen, wenn der Magen nach 30 Stunden streikt?
- Mentale Vorbereitung: Drei Nächte ohne Schlaf – wie hält man das durch?
Als Dipl. Sport Mental Trainer konnte ich bei Punkt vier aus der eigenen Werkzeugkiste schöpfen. Aber ganz ehrlich: Wie sich das wirklich anfühlt, weiß man erst, wenn man drinsteckt.
Der Start – zwei Stunden verspätet
12. Juli 2023, Grindelwald. Der geplante Startschuss um 8 Uhr wurde auf 10 Uhr verschoben. Für uns bedeutete das: Die Hoffnung auf nur zwei Laufnächte statt drei wackelte schon am Start. Trotzdem ging es los – bei bestem Wetter, mit großem Respekt vor dem, was vor uns lag.
Die ersten Kilometer fühlen sich bei so einem Rennen seltsam an. Du weißt, du wirst Tage unterwegs sein. Also läufst du bewusst langsam, fast meditativ. Jede vergeudete Kraft in den ersten Stunden zahlst du am dritten Tag teuer zurück.
Die erste Nacht – Schweizer Alpen bei Mondschein
Wenn die Sonne untergeht, wird der Berg still. Die Stirnlampe wirft einen kleinen Lichtkegel auf den Trail. Du siehst nichts außer einem Meter Boden vor dir. Geräusche verschwinden, die Welt schrumpft auf einen Schritt nach dem anderen.
Die erste Nacht ist fast die schönste. Der Körper ist noch frisch, der Kopf klar. Wir wechseln uns in der Führung ab, reden wenig, aber das Reden genügt, um den Kopf wach zu halten.
Die zweite Nacht – wenn der Kopf zuerst aufgibt
Nach etwa 40 Stunden passieren seltsame Dinge. Der Körper funktioniert noch, aber der Kopf fängt an zu spielen. Du siehst Dinge, die nicht da sind. Ein Baumstamm wird zu einem Tier. Ein Stein zu einer Person. Mikroschlafphasen im Gehen.
Hier half uns die mentale Vorbereitung. Wir wussten: Das sind Halluzinationen durch Schlafentzug, keine Gefahr. Weiter. Nächste Verpflegungsstation. Zehn Minuten Augen zu an der Station. Dann weiter.
Die dritte Nacht – die haben wir eigentlich vermeiden wollen
Durch den verspäteten Start war klar: Es wird eine dritte Nacht. Drei Nächte nacheinander ohne nennenswerten Schlaf, gleichzeitig körperlich unter Volllast. Das ist nicht mehr Sport, das ist Existenzerfahrung.
Die letzten 50 Kilometer waren ein Tanz an der Grenze. Jeder Schritt ein bewusster Willensakt. Wir reden fast nicht mehr, ziehen uns gegenseitig mit. Der Abstieg nach Grindelwald wird zur Ewigkeit.
Das Ziel – am Ende stehen 258 km und 15.000 Höhenmeter
Am Ende waren es 258 Kilometer mit etwa 15.000 Höhenmetern in 72 Stunden. Ankommen in Grindelwald fühlte sich erstmal irreal an. Ein Tag später konnten wir es selbst noch nicht glauben.
Die Nachrichten und die Motivation von Freunden, Familie und Kunden während des Rennens haben uns durch die schwersten Phasen getragen. Das ist etwas, das man beim Laufen nicht vorher planen kann – aber was am Ende entscheidend wird.
Was wir mitgenommen haben
- Die körperliche Grenze liegt oft viel weiter als gedacht
- Der Kopf ist das wichtigste Organ beim Ultrarunning
- Eine strukturierte Vorbereitung macht den Unterschied zwischen Finish und Ausstieg
- Schlafmanagement ist auf langen Distanzen eine eigene Disziplin
- Kleine Ziele, die nächste Verpflegung, der nächste Anstieg – so zerlegt man das Unmögliche in Machbares
Was das für dein Training bedeutet
Du musst keinen Eiger 250k laufen. Aber jeder Trailrunner profitiert von dem, was wir dabei gelernt haben. Diese Erfahrung fließt heute in jede Coaching-Einheit bei uns in der Laufbasis ein – ob beim ersten Halbmarathon, bei der Vorbereitung auf den Allgäu-Panorama-Marathon oder beim ersten Ultra.
„Ob etwas unmöglich ist, weißt du erst, wenn du es versucht hast." – Das gilt für den Eiger 250k genauso wie für deinen ersten 10-Kilometer-Lauf.
Wenn du Lust hast, deine eigenen Grenzen auszuloten – ob groß oder klein – begleiten wir dich gerne dabei. Mit der Erfahrung aus vielen Jahren und vielen Kilometern, aber immer individuell angepasst an deinen Weg.
Bereit, selbst loszulegen?
Ob Spiroergometrie, Trainingsplanung oder Personal Coaching – wir begleiten dich persönlich auf deinem Weg.
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